Topologische
Untersuchungen an Modellen neuronaler Informationsverarbeitung
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Stichworte: Topologie, Semantik, neuronale Informationsverarbeitung, Modelle mentaler Bedeutungsinhalte
Zielgruppe: Studierende der Mathematik
Der aus den Neurowissenschaften hervorgegangene konnektionistische Ansatz zum
Verständnis kognitiver Prozesse kann als Alternative zu den in
der klassischen Künstlichen-Intelligenz-Forschung (KI) bisher relativ
erfolglos vertretenen funktionalistischen Modellen betrachtet
werden. Die explanatorische Schwäche der in der klassischen KI vorrangig repräsentierten
Computational Theory of Mind
wird unter anderem am Problem der Antizipation (beispielsweise in der autonomen Robotik)
deutlich, was in einer scherzhaften Antwort auf die Frage nach dem
Wesentlichen beim Tennis
karikiert wurde ;-) Die folgende Animation zeigt zwei Sequenzen von Bildern,
die jeweils einen farbigen Kreis darstellen.

Die erste Bildsequenz erlaubt es bereits während des Ablaufs,
eine Bewegung zu antizipieren. Obgleich die dargestellten Kreise unterschiedliche
Farben besitzen, findet eine Identifikation aller Kreise statt. In der zweiten Bildsequenz ist
noch nicht einmal im Nachhinein ein Bewegungsverlauf zu rekonstruieren,
noch weniger kann ein solcher während der Bildabfolge antizipiert werden. Es ist
trotz ihrer farblichen Identität schwierig, die
unterschiedlich positionierten Kreise als ein und dasselbe Objekt zu identifizieren.
Offensichtlich wird der ersten Bildsequenz
im Gegensatz zur nachfolgenden Bildsequenz ein Bedeutungsinhalt zugeordnet.
Diese Semantik beruht auf keiner Konvention, wie dies bei einem
Zeichen der Fall wäre. Der Bedeutungsinhalt ist vielmehr ohne Kenntnis eines
Codes zu verstehen und die beobachtete Dynamik daher selbst-erklärend.
Der Konnektionismus vertritt die Auffassung, daß
mentale Bedeutungsinhalte als semantische Aspekte neuronaler
Informationsverarbeitung zu interpretieren sind, welche ihrerseits auf die
zugrundeliegende neuronale Netzwerktopologie zurückzuführen
sind. Auf dieser Annahme basierend kann anhand von
einfachen dynamischen Modellen neuronaler Netzwerke eine
Repräsentation von Raum und Zeit, aber auch die Konnotation von Begriffen topologisch
erklärt werden. Gegenstand der Arbeit ist zunächst die
Darlegung und anschließend die mathematische Präzisierung
des in unserer Arbeitsgruppe entwickelten Erklärungsmodells.
Dabei sind insbesondere Fragen der Eindeutigkeit zu untersuchen.
Für eine erfolgreiche Arbeit werden ausschließlich elementare
Grundkenntnisse im Bereich der Topologie und der nicht-linearen Dynamik vorausgesetzt. Die
Arbeit ist so konzipiert, daß sie ohne weiteres im Rahmen einer
6 monatigen Diplom- oder Masterarbeit abgeschlossen werden kann.
Bei Interesse besteht die Möglichkeit, an einem Artikel für eine dem Themengebiet entsprechende Konferenz mitzuwirken. Weitere Details bei Anfrage.
Wegen des interdisziplinären Hintergrunds der Thematik ist die fachübergreifende Zusammenarbeit innerhalb unserer Arbeitsgruppe bei allen im Rahmen des Projekts ausgeschriebenen Bachelor-, Master- und Diplomarbeiten ausdrücklich erwünscht.
Last modified: Tue Mar 10 06:55:00 CET 2009