Organic
Computing als Konzept zum Systementwurf in der Synthetischen Biologie
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Stichworte: Organischer Systementwurf, Synthetische Biologie, Nano und Molecular Computing
Zielgruppe: Studierende der molekularen Biotechnologie und der Bioinformatik
Ziel der Synthetischen Biologie ist der Entwurf und die Konstruktion von biologischen Materialien,
Strukturen, Komponenten, Teilsystemen und technischen Geräten, deren breites Anwendungsspektrum sich
von der Medizin, über Materialtechnik, Umweltschutz und Energiegewinnung bis hin zu neuartigen
Informationstechnologien erstreckt.
Hierbei ist auch die Entwicklung von herkömmlich (d.h. algorithmisch)
organisierten Computersystemen auf der Grundlage eines organischen Substrats
Gegenstand der Forschung. Die folgende
Abbildung zeigt, wie das algorithmische Organisationsschema von der siliziumbasierten VLSI-Technologie auf die
Biotechnologie übertragen werden soll, wobei die einfachen funktionalen Strukturen logische Operatoren
implementieren und die komplexeren funktionalen Strukturen
entsprechend der Registertransferebene in den heutigen Computersystemen die Grundlage für
die darüber liegende algorithmische Ebene darstellen.

In organischen Substanzen finden zahlreiche Wechselwirkungen zwischen den Konstituenten untereinander
und mit deren Umgebung statt, während solche auf Silizium künstlich geschaffen werden. Desoxyribonukleinsäure
(DNA) wird allgemein als Trägerin der Erbinformation aufgefaßt. Diese passive Sichtweise ihrer Funktion als ein
Code, der von der Zelle abgelesen wird, führt zu keinen explanatorischen Ergebnissen, was allein durch
den Sachverhalt begründet werden kann, daß ihr syntaktischer Informationsgehalt bei weitem nicht ausreicht,
die jeweiligen Phänotypen zu codieren. Sie wird im Rahmen von Organic Computing darum als
komplexes Computersystem verstanden, da sie Informationen ihrer Umwelt, die beispielweise
in Form von Transkriptionsfaktoren vorliegen, verarbeitet. In einem mehrzelligen Organismus kann
die DNA als verteiltes Computersystem aufgefaßt werden. Sie ist ein Beispiel für eine
komplexe funktionale Struktur innerhalb eines organischen Systems, welche allem Anschein nach nicht
auf der Grundlage von logischen Operatoren algorithmisch verstanden werden kann. Einfachere
funktionale Strukturen, wie sie in stark simplifizierten Modellen von
Transkriptionsnetzwerken auftreten, können jedoch als dynamisches System beschrieben und in
Teilaspekten hinsichtlich ihrer Funktionalität erklärt werden. Solche Systeme sind nicht algorithmisch zu
steuern, sondern werden durch bestimmte Kontrollparameter oder Manipulation der Wechselwirkungen zwischen
ihren Konstituenten in ihrer Funktionalität verändert und angepaßt, welche, wie in der folgenden Abbildung
illustriert, den durch die jeweilige Anwendung bestimmten abstrakten Zielvorgeben entsprechen soll.

Gegenstand der Arbeit ist die Frage, welche der zahlreichen denkbaren Anwendungen in der Synthetischen
Biologie in ihrer Zielsetzung oder der Zielsetzung ihrer Komponenten durch Muster beschrieben werden können,
und wie in entsprechenden Systemen oder Subsystemen Wechselwirkungen manipuliert werden können,
beispielsweise durch Enzymkonzentrationen oder Transkriptionsfaktoren. Nicht immer lassen sich funktionale Strukturen
situationsunabhängig definieren. Darum kann im Rahmen der Arbeit ebenfalls untersucht werden, in
welchen Bereichen und auf welcher Trägersubstanz lernfähige Biostrukturen auf der Grundlage
hebbschen Lernens und darüberhinaus lernfähige Assoziativspeicher
entwickelt werden können. Solche wären gegebenenfalls in gemeinschaftlicher Bearbeitung
zusammen mit den semantischen Untersuchungen organischer Informationsverarbeitung und
unter Berücksichtigung der Ergebnisse bei den topologischen Untersuchungen an Modellen neuronaler
Informationsverarbeitung
bezüglich ihrer Semantik zu bewerten.
Im Anschluß an die Eruierung des Anwendungsbereichs soll ein konkretes System gemeinsam
mit anderen Projektteilnehmern simuliert werden.
Am Ende der Arbeit ist die Applikabilität des vorliegenden Systementwurfs bezüglich der in der
Synthetischen Biologie fokussierten Anwendungsbereiche zu beurteilen. Die Arbeit kann an
mehrere Studierende vergeben werden.
Bei Interesse besteht die Möglichkeit, an einem Artikel für
eine dem Themengebiet entsprechende Konferenz mitzuwirken.
Weitere Details bei Anfrage.
Wegen des interdisziplinären Hintergrunds der Thematik ist die
fachübergreifende Zusammenarbeit innerhalb unserer Arbeitsgruppe bei allen im Rahmen des
Projekts ausgeschriebenen Bachelor-, Master- und Diplomarbeiten
ausdrücklich erwünscht.
Literatur und Links:
The Organic Computing Page - The Molecular Organism
Synthetic Biology Projects
Systems Biology Markup Language (SBML)
CellDesigner - Download
The Elowitz Lab
The van Oudenaarden Lab - Publications
Leon Y Chan; Sriram Kosuri; Drew Endy: Refactoring bacteriophage T7
Last modified: Tue Mar 10 06:55:00 CET 2009