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Kohärenz als neuronales Korrelat von Bewußtsein und Wahrnehmungsinhalten
Wir wollen uns in diesem Vortrag dennoch auf semantische Gesichtspunkte der Bewußtseinsinhalte konzentrieren, zumal sowohl die Philosophie des Geistes, als auch die Neurowissenschaften hierzu mehr zu sagen haben. Die Annahme, daß neurowissenschaftliche Erkenntnisse Aufschluß über die Frage nach dem Bewußtsein geben können, wird in der Philosophie des Geistes vor allem durch den Konnektionismus vertreten. Dem Konnektionismus stellt sich unter anderem die Frage, wie sich die semantischen Aspekte von Wahrnehmungs- oder Bewußtseinsinhalten aus neuronalen Prozessen konstituieren können. Um keine Position in der aktuellen Debatte innerhalb der Philosophie des Geistes bei der Frage nach der Natur des Mentalen beziehen zu müssen, spricht man in den theoretischen Neurowissenschaften von dem neuronalen Korrelat mentaler Zustände. Einfache Modelle neuronaler Netze, wie sie durch Warren McCulloch und Walter Pitts zunächst als Berechenbarkeitsmodell eingeführt und im ersten Teil des Seminars vorgestellt wurden, geben Anlaß zur Hypothese gnostischer Neurone (scherzhaft ist hierbei auch die Rede vom „Großmutterneuron"), deren Aktivität mit dem Erkennen einer Entität derart korreliert ist, daß die neuronale Aktivität eines einzelnen Neurons einem konkreten Wahrnehmungsinhalt, beispielsweise einer bestimmten Umweltsituation oder eben dem der eigenen Großmutter, entspricht. Tatsächlich wurden in elektrophysiologischen Untersuchungen bei Wirbeltieren Neurone im visuellen System entdeckt, die durch bestimmte Formen, Farben oder Bewegungen in ihrem rezeptiven Feld stärker aktiviert werden, als durch andere Formen, Farben oder Bewegungsmuster, wie beispielsweise die Kantendetektoren im primären visuellen Kortex, welche auf Kanten mit einer bestimmten Raumorientierung reagieren. Es ist aber ausgeschlossen, daß es für jede nur denkbare Umweltsituation ein gnostisches (erkennendes) Neuron gibt. So kam man zu der Einsicht, daß visuelle Objekte, die sich durch die Kombination mehrerer Merkmale charakterisieren lassen, durch die Aktivität ganzer Neuronenverbände (Ensembles) codiert werden, wobei einzelne Neurone jeweils nur einfache Merkmalsdetektoren darstellen. Sieht man nun zum Beispiel ein rotes kugelförmiges Objekt sich von links nach rechts bewegen, so signalisieren dieser Idee zufolge in einer grob vereinfachten Darstellung verschiedene Neurone beispielsweise etwas Rotes, etwas Rundes und eine Bewegung von links nach rechts. Das Prinzip ist in der folgenden Abbildung dargestellt. |
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Unter dieser Annahme stellt sich jedoch die Frage,
wie die neuronale Aktivität zahlreicher Merkmalsdetektoren zu dem
Gesamteindruck eines sich bewegenden roten, kugelförmigen Objekt
integriert werden. Wahrnehmungspsychologische
Experimente zeigten, daß es unter gewissen Bedingungen und in
Abwesenheit von Aufmerksamkeit tatsächlich zu falschen Verknüpfungen
kommen kann, wobei beispielsweise Gegenstände in falschen Farben wahrgenommen
werden können. Insbesondere stellte sich die Frage, wie verschiedene
Merkmale unterschiedlicher Objekte an das jeweilige Objekt gebunden werden.
Das Problem ist in der nachfolgenden Abbildung an die oben gezeigte
Darstellung anknüpfend illustriert. |
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In diesem Fall wäre das neuronale System nicht in der Lage zu entscheiden,
ob es sich bei der Wahrnehmung um einen roten Kreis und ein blaues Dreieck oder um einen
blauen Kreis und ein rotes Dreieck handelt. Das beschriebene Problem wird als Binding Problem
(deutsch Bindungsproblem) bezeichnet.
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Christoph von der Malsburg entwickelte daran anknüpfend eine neurowissenschaftlichen Theorie des Bewußtseins, welche in diesem Vortrag vor dem geschilderten Hintergrund dargestellt und in Bezug zu den einzelnen semantischen Theorien gesetzt werden soll. Es wäre denkbar, die Kohärenz der neuronalen Aktivität, welche von der Malsburg als das Korrelat von Bewußtsein darlegt, durch die erhöhte Entropiedichte in der Raumzeit informationstheoretisch zu verallgemeinern und zu quantifizieren und daran anknüpfend einen neutralen Monismus zu etablieren, was jedoch, soweit bekannt, niemals getan wurde. So ließe sich entsprechend argumentieren, daß synchron getaktete Personalcomputer kein Bewußtsein haben können.
Zuzuordnen in die Fachbereiche: Theoretische Neurowissenschaften, Philosophie Mathematische Voraussetzungen: keine
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Last modified: Wed Mar 18 08:45:00 CET 2009 |
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