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Semiotik und Informationstheorie
In diesem Vortrag werden grundlegende Konzepte der Informationstheorie und der Semiotik
dargelegt. Die im ersten Teil des Seminars als Maß zur Quantifizierung von Information
eingeführte Entropie soll noch einmal kurz skizziert werden,
wobei insbesondere der Zusammenhang zwischen
dem Begriff der Ordnung und dem des Musters herauszuarbeiten ist [Ly02].
Hierbei soll auch die Arbitrarität, die der Definition von
Makrozuständen zugrunde liegt, expliziert werden.
Es wird außerdem dargestellt, wie Carl Friedrich von
Weizsäcker durch die Unterscheidung zwischen aktueller und potentieller
Information die Verwirrung beseitigen konnte, welche die selbstorganisierte
Strukturbildung bei biologischen Systemen
bezüglich des 2. Hauptsatzes der Thermodynamik auslöste [WE85].
Von ihm stammt auch ein erster semantopragmatischer Ansatz zur Naturalisierung
des Informationsbegriffs. In einem Satz ausgedrückt lautet dieser:
"Information ist nur, was Information erzeugt".
Weitaus intensiver hat sich die Semiotik mit Fragen der Semantik insbesondere
in Hinblick auf das Konzept der Designation auseinandergesetzt.
In der Abbildung oben ist das sogenannte semiotische Dreieck dargestellt,
welches zum Ausdruck bringen soll, daß
ein semiotisches Zeichen nicht direkt und unmittelbar
auf einen außersprachlichen Gegenstand Bezug nimmt, sondern der
Bezug nur mittelbar durch die Vermittlung eines Begriffs oder Konzepts erfolgt.
Das dreieckige Schema wurde erstmals von Charles Kay Ogden und Ivor Armstrong Richards 1923
in einer leicht unterschiedlichen Darstellung vorgeschlagen. Seither ist es
heftig diskutiert und kritisiert worden. Die Spitze des Dreiecks
kann wegen der ihr zugrundeliegenden mentalistischen Auffassung bezweifelt werden.
Umgekehrt würde von einer idealistischen Grundposition ausgehend
die rechte untere Ecke in Frage gestellt werden,
da diese die Existenz eines Gegenstandes außerhalb des menschlichen
Bewußtseins unterstellt. Vertreter eines semantischen Skeptizismus
würden ebenso die rechte untere Ecke in Frage stellen, nicht jedoch weil solche die Existenz
einer Welt außerhalb des Bewußtseins, sondern
die eines Zusammenhangs zwischen Sprache und jener Welt bestreiten.
Eine derartige Position wäre beispielsweise innerhalb eines formalistisch geprägten Strukturalismus
naheliegend. Zwar wurde die triadische Relation
ansich doch relativ selten angezweifelt, jedoch existieren sehr unterschiedliche
Vorstellungen darüber, welche Begriffe die einzelnen Ecken auszeichnen [Eco77].
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Sehr problematisch ist der Begriff des Denotatums oder der Denotation.
Wenn darunter die Menge aller durch einen Begriff bezeichneten Gegenstände zu verstehen ist,
handelt es sich bei dem Begriff selbst um ein Konzept und damit um keinen Gegenstand der Welt
außerhalb des menschlichen Bewußtseins [Eco77][Eco91]. Andererseits existieren
im allgemeinen zahlreiche Instanzen eines Begriffs. Darüberhinaus existieren semiotische
Zeichen für Begriffe, wie beispielsweise für Fabelwesen (Kynokephale, Einhorn, Zyklop,
Lindwurm oder Schlumpf), die ausschließlich in der menschlichen Phantasie existieren.
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Ebenso besteht Uneinigkeit über die Spitze des Dreiecks. Die komplizierteste
Darstellung ist diejenige von Charles Sanders Peirce durch den Interpretanten.
Peirce zufolge könne sich das Repräsentamen nur dadurch auf den Gegenstand
beziehen, indem es etwas von seiner eigenen Art hervorbringt, nämlich den
Interpretanten als ein weiteres Zeichen. Folglich sei jeder Interpretant wiederum ein
Repräsentamen, nach dessen Bezugsobjekt und somit nach weiteren Interpretanten
gefragt werden könne. Demnach wäre eigentlich kein Ende der triadischen
Zeichenrelation denkbar und der Zeichenprozeß, mit dem Peirce die Designation
beschreibt, prinzipiell unendlich [Pe93]. Umberto Eco schreibt darüber, "es würde
sich hier der Prozeß unendlicher Semiose eröffnen, der - wie paradox das auch sein mag -
die einzige Garantie für die Begründung eines semiotischen Systems ist,
das fähig wäre, nur mit seinen eigenen Mitteln über sich selbst
Rechenschaft abzulegen [Eco91].
Interessanter hinsichtlich der Fragestellung unseres Seminars ist der Sachverhalt,
daß die Objektbezogenheit eines Zeichens im pierceschen Modell nicht auf
Konventionen beschränkt ist. Das Verhältnis zwischen Repräsentamen
und Interpretant kann nach Peirce symbolisch, indexikalisch oder ikonisch sein.
Bei einem Symbol ist der Bezug durch Konvention hergestellt, bei einem
Index existiert ein räumlicher, kausaler, symptomatischer oder sonst
faktischer Bezug, und der Bezug bei einem Ikon liegt in einer Ähnlichkeit
oder darin, daß Bezeichnendes und Bezeichnetes bestimmte Eigenschaften gemeinsam haben.
Die denotative oder formale Semantik versucht, ohne die Spitze des Dreiecks auszukommen,
und konstruiert Systeme, in denen jedes Zeichen unvermittelt - und somit ohne die Annahme
einer mentalen Entität -
in Bezug zu seinem Denotatum steht. Um den Unterschied zwischen Abendstern und Morgenstern
zu fassen, spricht Gottlob Frege von einem Sinn, der über die Bedeutung hinaus existiere.
John Stuart Mill würde hierbei stattdessen von Konnotation sprechen, da durch
die beiden Begriffe eine unterschiedliche Tageszeit "mitbezeichnet" wird.
Die Unterscheidung zwischen Denotation und Konnotation hat eine deutliche Ähnlichkeit
mit dem Gegensatz zwischen Extension und Intension, der auf den Wissenschaftstheoretiker
Rudolf Carnap - einer der Hauptvertreter des logischen Empirismus - und dessen Ansatz einer
logischen Analyse der Wissenschaftssprache zurück geht. All diese verschiedenen Konzepte
sollen in diesem Vortrag genauer erläutert und mit Bezug auf die in der Einführung
dargelegte zentrale Fragestellung des Seminars
kritisch diskutiert werden.
Zuzuordnen in die Fachbereiche: Semiotik, Informationstheorie.
Mathematische Voraussetzungen: keine
Literatur und Links:
Semiotics for Beginners - Signs
[Eco91] ECO, U.: Einführung
in die Semiotik. (autorisierte deutsche Auflage durch Jürgen
Trabant), Fink, München 2002. (Orig. 1962), ISBN. Umberto Eco
(1991).
[Eco77] ECO, U.: Segno, 1973.
In der deutschen Übersetzung: Zeichen - Einführung
in einen Begriff und seine Geschichte. Suhrkamp, 1977.
[Lö03] LÖBNER, S. : Semantik.
Eine Einführung. De Gruyter. 2003
[Ly02] LYRE, H.: Informationstheorie
- Eine philosophisch-naturwissenschaftliche Einführung.
Fink, München, 2002
[Pe93] PEIRCE, C.S.: Phänomen und Logik der Zeichen.
Hrsg. und übers, von Helmut Pape. Suhrkamp, 1993
[WE85] VON WEIZSÄCKER, C.F.: Aufbau
der Physik. Hanser, 1985
Sebastian Löbner: Online-Wörterbuch zur Semantik und Pragmatik
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